Bremer Straßenbahn

Das Kursnummern-System

Schaut man sich ein Linienfahrzeug der Bremer Straßenbahn von vorne richtig an, fällt einem vielleicht ein kleines rechteckiges Schild auf, welches in der Frontscheibe unten an der Türseite angebracht ist. Auf weißem Grund sind hier vierziffrige Zahlen zu erkennen, die Kursnummern für die Linienkurse.

Fahrzeugfront mit Kursschild 5094

Kursschild 5094 in der Frontscheibe

Es waren nicht immer 4 Ziffern, seit der Einführung in der zweiten Hälfte der 60er Jahre bis zum Jahr 1976 waren es 3 Ziffern.

Der Ziffern-Code im Jahresfahrplan 2008/2009

Die heutige Kursnummer am Fahrzeug hat vier Ziffern, nennen wir sie "ABCD".

Kursschilder

Muster von Kursschildern

Die erste Ziffer, A, codiert den Betriebshof, in dessen Verantwortung die Fahrleistung liegt. Dabei stehen

Die Fahrzeuge, die von der Abstellanlage Sebaldsbrück aus eingesetzt werden, tragen als erste Ziffer der Kursnummer eine 4, obwohl sie Fahrzeuge des Betriebshofes Gröpelingen sind. Der Fahrdienst und die Dienststelle Sebaldsbrück sind jedoch Außenstelle des Betriebshofes Neue Vahr.

Die zweite Ziffer, B, codiert den Fahrzeugtyp. Dabei stehen bzw. standen

Die dritte und vierte Ziffer, CD, bilden die zweistellige Ordnungszahl. Sie wird jetzt grundsätzlich unabhängig von der Linie nach der Reihenfolge des Ausrückens aus dem Betriebshof vergeben. Durch nachträgliche Planänderungen können sich aber durchaus im Einzelfall auch Abweichungen von dieser Regel ergeben.

Zur Unterscheidung der Fahrzeuge, die von der Abstellanlage Sebaldsbrück kommen, von denen, die aus dem Betriebshof Neue Vahr kommen, erhalten diese Ordnungszahlen nicht ab 01, sondern ab 60, (aber eben nicht 61 !).

Mit diesem System sind die Kursnummern grundsätzlich linienunabhängig. Damit erfüllen Sie allerdings nicht die Erfordernisse des elektronischen Betriebsüberwachungssystems, welches neben der Linie ebenfalls zweistellige Ordnungsnummern vorsieht. Nun könnte es sein, daß Fahrzeuge von unterschiedlichen Betriebshöfen mit gleicher Ordnungszahl auf der gleichen Linie eingesetzt werden, also etwa die Kurse 4001 und 6001 beide auf der Linie 4 (das ist nach dem gegenwärtigen Fahrplan sogar der Fall: die beiden Fahrzeuge der N4 wären jeweils die ersten ausrückenden Fahrzeuge). Die gleiche Ordnungszahl darf im elektronischen Betriebsüberwachungssystem nicht zweimal vorkommen (dort Kurs 0401), deshalb werden dort von der Kursnummer abweichende Ordnungszahlen eingegeben.

Die Kursnummer wird nur einmal ausgegeben, d.h. ein bei seinem eigenen Betriebshof einrückendes Fahrzeug gibt seine Kursnummer nicht mehr an ein später ausrückendes Fahrzeug weiter.

Ziffern-Code: Ein Blick zurück

Die Anfänge ab 1966

Die Geschichte der weißen Schildchen reicht bis in das Jahr 1966 oder 1967 zurück, jedenfalls vor die Einrichtung der Linie 1. Damals erschienen die ersten Schilder, auch die damalige alte Linie 6, betrieben mit Zweiachs-Trieb- und Beiwagen, hatte schon entsprechende Kursnummernschilder. Die damaligen Kursnummern hatten drei Ziffern.

Kursschilder

Muster von Kursschildern

Die erste Ziffer codierte den Betriebshof, allerdings damals noch in anderer Numerierung:

Die zweite Ziffer war einer bestimmten Linie zugeordnet, sie war aber nicht die Liniennummer selbst. Selbst von verschiedenen Betriebshöfen hatten die Fahrzeuge der gleichen Linie nicht die gleiche zweite Ziffer:
So hatten die Fahrzeuge der Linie 1 die Kurse 121 folgende des Betriebshofs Flughafendamm und die Kurse 901 folgende vom Betriebshof Neue Vahr. Kurse mit der Ziffer 6 an der zweiten Stelle waren für Einsetzwagen vorgesehen.

1974: Die vier Ziffern erscheinen

Zum Winterfahrplan 1974/1975 wurde das Kursnummernsystem umgestellt. Nunmehr wurden 4 Ziffern auf den Schildern angezeigt.

Die erste Ziffer codierte nach wie vor den Betriebshof, allerdings nunmehr in neuer Numerierung, da inzwischen Betriebshöfe geschlossen wurden:

Die zweite Ziffer codierte den Fahrzeugtyp. Damals wurden noch zahlreiche Einsetzwagen und die nächtlichen Personalwagen mit der 1 an der zweiten Stelle gekennzeichnet. Jeder Betriebshof stellte einen Straßenbahn-Personalwagen, der vor Betriebsbeginn und nach Betriebsschluß verkehrte und die Ordnungsnummer 01 hatte, also die Kurse 1101, 2101, 4101 und 5101.

Die dritte Ziffer war damals linienabhängig, wie schon ab 1966. Mittlerweile verkehrten jedoch nur noch 6 Linien, die gut in zwei Gruppen aufgeteilt werden konnten: die Linien 1, 5, und 6, beschickt vom Betriebshof Flughafendamm und (nur Linie 1) vom Betriebshof Neue-Vahr, sowie die Linien 2, 3 und 10, beschickt von den Betriebshöfen Gröpelingen und Sebaldsbrück. Der maximale Auslauf von einem Betriebshof für eine Linie waren 18 Kurse (Linie 1 vom Betriebshof Neue Vahr), also wurden die Linien in 20er-Schritten unterteilt:

Kursschilder

Muster von Kursschildern

Zum Winterfahrplan 1977/1978 ergab sich eine kleine Änderung. Nunmehr stellte auch der Betriebshof Gröpelingen Kurse der Linie 6. Daher wurden der Linie 6 die Kurse 1061 folgende bzw. 2061 folgende zugeteilt.

1993: Verselbständigung der Dienststelle Huchting

Zum Winterfahrplan 1993/1994 wird die oben bereits beschriebene Verselbständigung der Dienststelle Huchting auch im Kursnummernsystem dokumentiert. Die Dienststelle wird wie ein Betriebshof mit der Nummer 6 geführt. Die Kurse der Linie 6 wurden der Dienststelle zugeordnet und erhielten Kursnummern ab 6001, die die Kurse des Betriebshofes Flughafendamm ersetzten. Die Kurse des Betriebshofes Gröpelingen auf der Linie 6 waren verschwunden.

Sommer 1998: Die Linie 4 kehrt zurück

Mit dem Erscheinen der Linien 4 und 8 wurde für das Nord-Süd-Liniennetz, bestehend aus den Linien 1, 4, 5, 6 und 8, der Linienbezug in den Kursnummern aufgegeben. Von den Betriebshöfen Flughafendamm und Neue Vahr sowie der Dienststelle Huchting wurden die Kurse in der Reihenfolge ihres Einsatzes ab Nummer 01 numeriert, so wie es auch heute noch der Fall ist.

Für die Züge der Betriebshöfe Gröpelingen und Sebaldsbrück blieb es grundsätzlich beim Linienbezug, allerdings erhielten die Kurse der Linie 10 die Kurse ab 2011 bzw. 5011, allerdings nur für ein halbes Jahr. Die Angleichung der Fahrzeugtypen für die Linien 2 und 10 und die kommende Verknüpfung der Umläufe der beiden Linien legten diese Annäherung nahe.

Harmonisierung der Systeme

Zum Winterfahrplan 1998/1999 wurde die Harmonisierung der Kursnummern mit dem System der elektronischen Betriebsüberwachung durchgeführt. In den beiden Teilnetzen sollte es jeweils keine zwei Kursnummern geben, die die gleichen zwei Endziffern haben, also etwa 1011 und 4011 oder auch 2003 und 5003.

Daher wurden dem Betriebshof Neue Vahr die Ordnungsnummern ab 41 zugewiesen, die Dienststelle Huchting nutzte die Zahlen ab 81 und der Betriebshof Sebaldsbrück die Nummern ab 51.

Der Linienbezug auf den Linien 2, 3 und 10 wurde jedoch nicht aufgegeben:

Fahrzeuge der Betriebshöfe Neustadt und Gröpelingen erhalten die Ordnungszahlen ab 01, der Betriebshof Neue Vahr gibt die Zahlen ab 41 aus (so wie die Fahrzeuge der Abstellanlage Sebaldsbrück die Zahlen ab 51 erhalten).Warum vergibt der Betriebshof Neue Vahr nicht ebenfalls Ordnungszahlen ab 51? Das ist nur historisch zu erklären: Für Fahrzeuge aus dem Betriebshof Neustadt auf den Linien 1 und 8, die der verselbständigten Dienststelle Huchting zugeordnet wurden und die teilweise von der Werkstatt zur Abstellanlage Huchting (Wendeschleife Innengleis und Abstellgleis) überführt und dort dem Fahrbetrieb zur Verfügung gestellt wurden, erhielten die Ordnungszahlen ab 81. Die verbliebenen 80 Nummern wurden gleichmäßig auf die Betriebshöfe Neustadt und Neue Vahr verteilt. Dieses Verfahren wird aber so nicht mehr praktiziert.


Kursnummern von Kursen, die vor Betriebsschluß einrücken, werden für Kurse, die danach ausrücken, erneut vergeben. Frühere Versuche, absolute Eindeutigkeit herzustellen und keine zweite Vergabe zuzulassen, scheiterten mangels Nummern. Für die vielen aus- und einrückenden Kurse des Betriebshofes Neue Vahr zur Verdichtung des Verkehrs in den beiden Hauptverkehrszeiten auf den Linien 4, 4S und 5 plus Linien 1 und 1S reichten die Nummern 41 bis 80 einfach nicht aus.

Versuche zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit

Im Winterfahrplan 2000/2001 ändert sich die Betriebshofsnumerierung erneut. Gleichzeitig verliert der Betriebshof Sebaldsbrück seine Selbständigkeit:

Die Kennzeichnung der Dienststelle Huchting mit einem eigenen Kennzeichen an der ersten Stelle entfiel, die Kursnummern ab 81 zeigten ja den Einsatzort und die Fahrzeuge gehörten zum Betriebshof Neustadt.

Die Fahrzeuge des Betriebshofs Sebaldsbrück wurden nunmehr in Gröpelingen beheimatet (das Personal hingegen als Außenstelle des Betriebshofs Neue Vahr geführt). Ferner wurde versucht, die Linien 2 und 3 zeitweise im Umlauf in Gröpelingen miteinander zu verknüpfen, so wie die Linien 2 und 10 bereits in Sebaldsbrück miteinander verknüpft waren. Damit machte ein Linienbezug der Kursnummern keinen Sinn mehr, dieser wurde aufgegeben. Die Züge des Betriebshofs Gröpelingen erhielten die Kursnummern 5001 folgende, die Züge aus der Abstellanlage Sebaldsbrück die Kurse 5041 folgende.

Schon zum Sommerfahrplan 2001 wurde die Linienverknüpfung der Linien 2 und 3 wieder aufgegeben. Der Linienbezug der Kursnummern im West-Ost-Netz wurde wieder hergestellt und der Nummernblock für die Abstellanlage Sebaldsbrück verkleinert: dort wurden nunmehr die Kurse 5051 vergeben:

Kursschilder

Muster von Kursschildern

Eine Besonderheit waren die morgentlichen Kurse der Nachtlinie Gröpelingen - Sebaldsbrück. Sie erhielten die Kurse 5019 bzw. 5069. Montags bis freitags wurden diese Kursnummern aber schon zum Sommerfahrplan 2002 wieder geändert, sie lauteten nunmehr 5017 bzw. 5068. Hintergrund war wohl, daß mindestens einer dieser Kurse am Freitag den Nachtverkehr auch in der Nacht zum Sonnabend bestreiten sollte und daher nicht auszuschließen war, daß sich der Sonnabend-Kurs bei der elektronischen Betriebsüberwachung anmeldete, obwohl der Freitags-Kurs noch nicht abgemeldet war, und damit zwei Kurse mit gleicher Ordnungsnummer vorhanden wären, was nicht vorkommen durfte. Ironie der Geschichte: wenn diese Plansituation überhaupt jemals gegeben war,war sie jedenfalls schnell zuende. Die geschilderte Gefahr war in den Umlaufplänen (bald) nicht mehr enthalten, die Abweichung vom Kursnummernsystem blieb jedoch jahrelang bestehen.

Zum Winterfahrplan 2002/2003 wurde für den Sonntagsfahrplan die Linienbezogenheit der Kurse auf der Linie 10 aufgegeben. Sie erhielten zusammen mit den Kursen der Linie 2 fortlaufende Nummern. Die Kurse der Linie 3 behielten ihre 20er-Nummern.

Bis zum Ablauf des Jahresfahrplans 2006/2007 blieb es bei diesem System: Linienunabhängige Kursnummern für das Nord-Süd-Netz der Linien 1, 4, 5, 6 und 8, betrieben von den Betriebshöfen Neustadt und Neue Vahr und der Dienststelle Huchting mit den Kursnummern ab 01, 41 und 81. Linienabhängige Kursnummern für das Ost-West-Netz der Linien 2, 3 und 10, betrieben vom Betriebshof Gröpelingen und der Abstellanlage Sebaldsbrück, mit der Nummernblockverteilung von 2001 und der Sonntag-Ausnahme auf den Linien 2 und 10.
Dann verschwanden die letzten Linienbezüge bei den Kursnummern und der eigene Kursnummernblock der Dienststelle Huchting; die Kurse der Linien 1 und 8 werden seit dem wieder wie normale Kurse des Betriebshofs Neustadt behandelt.

Jahresfahrplan 2007/2008

Im Jahresfahrplan 2007/2008 verschwand der Linienbezug der Kursnummern auf den Linien 2, 3 und 10. Die Kurse wurden nun auch hier fortlaufend numeriert, die aus Gröpelingen stammenden Kurse 5001 folgende, die von der Abstellanlage Sebaldsbrück stammenden Kurse 5051 folgende.

Jahresfahrplan 2008/2009

Zu dieser Fahrplanperiode änderte sich die Kennzeichnung der Kurse von der Abstellanlage Sebaldsbrück erneut: da die Kurse dem Fahrbetrieb und nicht der Fahrzeugunterhaltung zugeordnet sind, wurden folgerichtig zur Tatsache, daß Sebaldsbrück eine fahr-personelle Außenstelle des Betriebshofs Neue Vahr ist, die Kurse dem 4000er Block zugeordnet. Um ausreichend Nummern für die Kurse der noch zu verlängernden Linien 1 und 4 zur Verfügung zu haben, wurden die Nummern erst ab 60 für Sebaldsbrück vorgesehen: Kurse 4060 (!) ff. kommen von der Abstellanlage.

Jahresfahrplan 2014/2015

Das Konzept zur Verstärkung der Linie 6 zu Beginn und Ende der Vorlesungszeiten wurde geändert, dadurch rücken vermehrt Züge vom Betriebshof Neustadt aus bzw. dorthin ein. Offenbar wollte man vermeiden, daß Kursnummern höher als 6050 zu vergeben waren, dieses wäre aber bei der bisherigen Vorgehensweise notwendig gewesen.

Daher wurden die E-Wagen-Kurse der Linie 6, die nur während des Semesters verkehren, erneut vergeben, wenn ein solcher Kurs wieder ausrückt. Betroffen sind die Kurse 6032 bis 6034. Die weiteren Kurse der Linie 6, die zur Streckung des 6-Minuten-Taktes einrücken und nachmittags zur Taktverdichtung wieder ausrücken, sind davon nicht betroffen.




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